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Donnerstag, 5. März 2026

Ephemers

13:00

Ephemeres


Es ist ein Schmerz in dieser Welt,
Als ob die Zeit uns stets entgleitet,
Der Tod, er kommt, doch unerbeten,
Und nimmt, was uns im Herzen leitet.

Sie brachte uns den Geist zurück,
Der Wind, der durch die Seelen weht.
Ein Band, das in einem Augenblick,
nun nicht mehr einfach weitergeht.

Wir wollten reden, uns begegnen,
Doch bleibt das Wort nun ungesagt.
Die Momente, die wir einst ersehnten,
Sind nun verweht, wie Laub im Tag.

Die Schuld, sie nagt, doch unbegründet,
Denn keiner kann den Augenblick erfassen.
Es bleibt ein Rest, der unvollendet,
Und lässt uns in der Sehnsucht hassen.

Ein Leben, voll und doch so leer,
Die Liebe bleibt, doch unvollkommen.
Wir wünschen uns, dass sie noch wär',
Doch bleibt der Wunsch im Wind vernommen.

Ein Geist, der durch uns alle wirkt,
Dann in der Stille, da erwacht.
Er lebt in uns, in jeder Seele,
Wird er durch ihre Liebe neu entfacht.


Flüchtigs


Es git en Schmärz i dere Wält,
Als ob mer Zyt verplemperlet.
De Tod, er chunnt, und isch nöd bschtelt,
Und zrug bliibsch, allei, gschämperlet.

Sii hät üs dr Geischt zruggbracht,
De Wind, wo dur d Seele gaht.
Es Band, wo einigt süüfeli sacht,
doch jetzt eifach nümm bestaht.

Mir händ welle rede, üs begegne,
Aber d Wort verblaset no im Muul.
Dr Momänt, isch nie ganz glege,
Und jetzt wie Laub verblaase und fuul.

D Schuld, si naagt, hēr-, grundlos,
Will niemert cha de Momänt erfasse.
Es bliibt en Rescht, lēēr und blos,
Und laat üüs i dr Sehnsucht hasse.

Es Läbe, voll und doch so läär,
D Liebi bliibt, aber unvollkomme.
Mir wünschend, dass si doch no wär,
Aber d Wunsch wird nümm vernomme.

En Geischt, wo durch eus alli würkt,
Item, i dr Schtilli er erwacht.
Er lebt i üüs, und i jeder' Seel,
Wird er dur ihre Liebi neu entfacht.


(Für Beatrice, 23/03/2025)

Freitag, 8. März 2024

Jenseits aller Wege

20:07


 

Jenseits aller Wege

 

Das Wiedersehn, gefeiert laut und froh,

Das Wandervolk, das kennt kein langes Leiden,

In ihrem Gang, nehmen sie leicht das Scheiden,

Gewiss, man trifft sich wieder irgendwo.


Ein stetes Wandern, unser Dasein war,

Ein Forschen, unersättlich und gewagt,

Es bleibt die Hoffnung, dass noch vieles mag,

Vor uns zu liegen, hell und wunderbar.


Doch ahnen wir, die Zeit, sie schwindet schnell,

Die größte Furcht: des anderen Wort zu missen,

Fragen kommen wo Gespräche fließen,

Beim Plaudern, Schachspiel, zwischen Hundegebell.


Im Garten beim Tee unterm Laubendach,

Auf Kutschenfahrt, wo Träume flüchtig schwirren,

Wie Fliegen, die sich zwischen Kirschblüten verirren

kommt bald der letzte Tag, der letzte Schach.


„Ich liebe dich“ – oft überflüssig, tönt zu unbedacht,

Und doch, macht es aus wenig mehr

unausgesprochen, wiegt es schwer.

Erst in dem Schweigen zeigt sich seine Macht.


Ich fürcht' den letzten Tag, den wir teilen,

Ist's Trauer, die spricht, dass wir selten weilen?

Die kurzen Treffen, halten kaum die Zeit,

Versuche nur, in Eile stets bereit.


Verschwendet sind die Tage, voll Routine,

Der Alltag – ein Gefäß für unser Sein,

Doch in ihm liegt verborgen, fein und klein,

Der Sinn, wie in der Torte die Rosine.


Dein Abenteuergeist, in uns lebt er fort,

Selbst eine Seuche wird zur neuen Reise,

Dass Schaffen uns verbindet, in einz’ger Weise,

Mit Deiner Kunst und Technik im Seelenhort.


In ewig vereint durch den Höh'ren Sinn,

Tragen wir Deine Liebe in uns weiter

Durch Dein stetes Forschen, so stark und heiter

dient auch der letzte Tag zum Guten und Gewinn.

 

08/03/2024 

Sonntag, 19. Dezember 2021

Sternschnuppen

11:18

Lange schon ging der farbenfrohe Tag in eine klare, kalt Winternacht über. In der eisigen Schneelandschaft ist Ruhe eingekehrt. 

Nur leise weht der Nordwind in geisterhaftem Singen über die Ebene - sonst Stille. 

Weit in der Ferne steht ein einzelner Baum. Er ist alt. Bald so alt, wie dieser Tag es ist. Ein einzelner Baum - doch nicht allein! Unter ihm steht ein Mensch, auch er ist alt. Doch das Kind, dessen Hand er hält, es ist jung. Jung wie der Neuschnee, der gefallen ist. Die beiden stehen da und schauen. Sie reden nicht. Sie haben auch nicht kalt. Sie stehen nur da und blicken in den sternenklaren Himmel. Wieviel Zeit mag wohl vergangen sein? Ob der Morgen schon naht? Es berührt sie nicht.


Doch da! Ein Stern, er leuchtet viel heller, viel klarar als alle anderen! Er dreht sich, schnell, schneller, immer schneller. Er löst sich vom Firmament und fällt weit in die Tiefe der dunklen Nacht - und erlischt. Das Kind drückt die Hand fester und spricht in hauchendem Ton: "Was ist geschehen? Ein Licht stürzt in die Dunkelheit! Viel dunkler ist es jetzt!"

Der alte Mund des Menschen öffnet sich, und die rauhen Lippen formen jedes Wort langsam und deutlich. Die Stimme, kräftig und fein zugleich: "Der Himmel ist Spiegel dieser Welt, der weisse Strasse der Weg, den das Leben sich bahnt. Die Sterne gleichen den Menschen; einige stehen in grossen Gruppen, manche in kleinen und einzelne - allein. Diese leuchten hell, jene sind kaum zu sehen. Einer ist gross, ein anderer klein, und manche erlöschen, wie dieser, welcher zuvor zur Erde fiel. Jedes Licht muss die Gelegenheit haben zu leuchten so langes es kann und es ihm bestimmt ist. ein Stern darf nicht versuchen mit seinem Licht einen anderen zu erlöschen. Das darf niemals geschehen. Denn der wird verscuhen, heller zu leuchten als ihm möglich ist und sich daran erschöpfen und untergehen. Und dann, wenn das letzte Licht erlöscht ist, wird es sehr dunkle und kalt werden auf dieser Welt. Viel dunkler als jede Nacht und kälter als jeder Winter.

Doch es ist bereits geschehen, und das Unvermeidbare wird eintreffen. Ein Stern nach dem anderen wird erlöschen und auch der grösste Stern, unsere Sonne, wird verglühen".

Die Lippen schliessen sich, und das Kind blickt mit angstvollen Augen zu den Sternen empor. Für kurze Zeit ist alles still. 

Nur leise weht der Nordwind in geisterhaftem Singen über die Ebene - sonst Stille.

Dann öffnen sich die Lippen wieder, die trockene Zunge stösst gegen die schäbigen Zähne, um den ersten Laut zu formen: "Du brauchst Dich nicht zu ängstigen, mein Kind, denn was stirbt, ist nicht zu Ende, es ist tod und leben zugleich. Dieser Baum hier wird sterben , doch im Frühjahr wir eine neuer an seiner statt wachsen, reifen - und sterben. Denn nur was reift und stirbt wird Frucht bringen. -- Hoffen wir, die Frucht dieser Welt wird gut! -- 

So bist auch Du die Frucht der Menschheit und meine Frucht. Ich werde wohl sterben, aber niemals werde ich tod sein!"

Nach einer Atempause erhellt sich die Stimme und sagt: "Hör zu! Hörst Du den Wind? Den eisigen Nordwind? Den Tod? Er singt das Lied des Lebens". Wieder kehrt Stille ein.

Nur leise weht der Nordwind in geisterhaftem Singen über die Ebene - sonst Stille. 


Mittwoch, 23. Oktober 2019

Ein besonderer Tag

19:02

Ein besonderer Tag


Dein Kommen und Werden wurde nun voll.
Zahltest lang‘ schon der Silberfähre Zoll.
So fährst Du hinüber ins gold‘ne Nichts,
hin in die Anderswelt. Und angesichts
der Ewigkeit, erster und letzter Tag
sind zur gleichen Zeit; Wiege dir das Grab.


Wir alle singen heute lieber Moll.
So will es eben unser Protokoll.
Bedeutungsvoll ist was ein Ende hat.
Wer an dieser Grenze vom Leben satt,
nun einst so von uns allen Abschied nimmt,
in uns‘rer Gemeinschaft sich wiederfind‘.

Ein Gedicht von Tabea Hirzel – 23. Oktober 2015.

Samstag, 16. März 2013

Licht und Schatten

17:41

Wenn wir lange Zeit
Unbeweglich verharren,
beginnt uns unser Körper zu schmerzen.
Dieser Schmerz sagt uns,
dass es Zeit ist,
unsere Haltung zu ändern.
Ebenso verhält es sich mit dem Schmerzen des Herzens.

Freitag, 1. Februar 2013

Edelweiss

19:31

Wem der Blick versperrt,
und der Weg verwehrt,
weil müde Beine nicht tragen,
und die da oben nicht fragen.

Jemand den Schnee der Berge bringt
Und das Lied der Bäche singt.
Wie viel edler das Weiss als Rosen
Trägt es Sehnsucht, ganz klein im Grossen.

Vollmondnacht

19:01
Ein leiser Klang erhellt die Nacht.
Wie Feengesang
gibt er den Rhythmus an.
Wie oft hab ich schon durchgewacht
und sehnte mich in die Fern`,
wo für Monat, Jahr, alle Tiden
ein sonderbar Mass beschieden,
gewünscht und doch gemieden
seltsam dunkler Stern.
Wenn auch selbst ohne Schöpferkraft,
öfter dunkel, denn hell,
unbeacht`ter Gesell,
und belächelt so schnell,
er doch den Raum für`s Leben schafft.
Dumpfes Spiegelbild,
einfache Melodien spielt,
wer einmal grosses Erzielt.
Die Frau gleich nächtlich Sonnenlicht gemacht.

Vereinigung von Sonne und Mond

19:00

Vereinigung von Sonne und Mond

Birke in gelbem Lampenschein
inmitten unendlicher Nacht,
zur selben Zeit wie die Geister erwacht.
Wer mich verdammt zum Einsamsein !

Eine Rose in der Wüste,
wer sie jemals sieht,
blühend, wenn alles sonst verglüht,
im verborgenen trägt Zauberdüfte.

In der Nacht sind alle Katzen grau.
Ich löse meinen Blick
und trete einen Schritt zurück.
Siehst du, ich bin eine Frau!

Eine Strähne fällt in mein Gesicht,
es riecht nach Sandelholz,
in meinem Lächeln Stolz.
So zeig’ ich mich im Dämmerlicht.

Die Laterne färbt grün
die Wiese am Strassenrand.
Knopf um Knopf öffnet meine Hand
in Leidenschaften kühn.

Und bin ich Frau, bin ich Kind,
auch du spürst diese Lust,
berührst sanft meine Brust.
So in deinen Armen ich mich find’.

Nur Liebe ich in deinen Augen las,
küsste dich, wo`s dir gefällt.
Keine Fragen mehr auf dieser Welt.
Auch grau nicht war dort jenes Gras.

Du ziehst mich wieder hoch zu dir.
Im Taumel immer wiederkehrend neuen Seins
zerfliessen Sonn’ und Mond zu eins.
So öffne ich all’ Tor und Tür.

Heut’ Nacht bin ich fliegen gegangen

19:00
Mit der Decke des Schlafes umhüllt,
den Schlüssel zu den Träumen in der Hand,
so lag ich, im Herzen Dein Bild,
unter der Nacht Gewand.
Ein Raunen zärtlicher Stimm’
aus meinen Träumen mich rief.
Ein Staunen, verwirrter Sinn,
stand ich auf und lief.
Der Falke, mein Bruder wartet’ schon.
Ich grüsste ihn jenseits des Flusses.
Des Windes Tochter, des Windes Sohn,
im feuchten Grase, nackten Fusses.
Auf meiner Schulter gelandet, flog er wieder.
Ein Schrei – dann schrie auch ich,
sang der Freiheit, des Windes Lieder,
ich liebe das Leben – ich liebe Dich !
Heut Nacht bin ich fliegen gegangen,
in deine Arme, dein Herz – zu dir.
Trotzdem frei, niemals gefangen.
Nackten Fusses steh ich wieder hier.

Trugreich Morgenlicht

18:43
In erstem Licht 
stellst du fest
in heimatlichem Nest
und fragest nicht, 

ob dies gesprenkelt Ei,
ein Hauch von Farb’,
zerbrechlich zart,
vom Kuckuck sei.

Du setzt dich drauf,
drück’ nicht zu arg!
Zerbrechlich stark -
Dann wachst du auf,

wenn es geschlüpft,
Ding der Phantasie.
Niemals hältst du’s nie!
Bald aus dem Nest es hüpft,

Hässlich anzuseh’n.
Hält ’s auf den Schnabel,
wirst du zu Abel,
und bleibst alleine steh’n.

Wachsen die ersten Federn,
trägt ’s der Wind davon,
bleibst du ohne Lohn,
es lässt den Wald von Zedern.

Halt’ es nicht zurück!
Wenn der Sämann sät,
auf starken Flügeln es trägt
vielleicht dann dich ins Glück.

Freitag, 18. Februar 2011

Keine Nacht

19:28
Tausend Tage und keine Nacht,
hätte ich sie nur mit Dir verbracht.
Doch am Anfang und am Ende,
da geht jeder ganz für sich.
Wenn ich mich nur leise wende,
hoffe ich, dann siehst Du mich.

Doch geschlossen Deine Augen,
so endlich und bestimmt.
Ich kann es kaum glauben,
das Lächeln im Gesicht, wie ein Kind.
Dort bist‘ fort an den Ort
wo nichts unbeschrieben, durch kein Wort.

So verdamme ich die tausend Tage,
nun da ich keine mehr habe.
Dein Lache in meinem Ohr,
Gottes Stimme in meinem Herzen.
Ich schwor, ich schwor.

Aman, aman! Bis ich Dich gefunden,
folge fort Deiner Stimme,
drehe nochmals tausend Runden,
verliere selbst meine Sinne.
Nur für eine Nacht gäbe ich alle Jahr.
Morgen finde ich Dich, Inschallah.

Ein Vogel auf meinem Fuss,
pickt von meinem Russ.
Eine Blüte fällt vom Baum.
Dort seh‘ ich Ihn im Gebüsch.
Kann ich dem Trauertraum trau‘n?
Alle Tage wartete er auf mich.


(Für Claudie und Xavier)

Sonntag, 1. Februar 1998

Bronzemond

18:59

bronzemond gondelgleich
schwebst im flusse
meiner erinnerungen ein im träumereich
bittersüss liegt vom kusse
jener honiggoldne schein
auf dem schatten meiner lippen
musste es zu ende sein
unzerbrochenes kann niemand kitten
doch jede noch so feine pore
zerspringt in mir wie seifenblasen
die man berührt
noch spüre ich dein lachen in meinem ohre
als hätte deine hand mich geführt
hinaus – in blaubeschien`nen schnee
in einer träne spiegelt sich die welt
falls ich dich jemals wiederseh`
ein traum banal, trivial, zerfällt.

Maria Magdalena

18:57

Wie soll es nur geschehen ?
Der Stein, er ist so gross und schwer.
Ich habe es ja selbst gesehen,
sie haben ihn nur hingelegt,
denn es eilte doch so sehr,
und seinen Leichnahm nicht gepflegt.
Bin ich froh, Maria bei mir ist.
In meinem tiefsten Schmerz
bin ich meiner selbst nicht mehr gewiss.
Wieso verliess er uns, er war Gott ?
Ich liebte ihn so, es bricht mein Herz,
und nun ist er einfach fort ?
Der Stein ! Der Eingang frei !
Zu den beiden Männern spreche ich,
wo denn mein Herr geblieben sei ?
Denn ich fasse Vertrauen zu ihnen
so schön und rein blendet mich ihr Licht.
Da ist Er mir als erste erschienen.
Sie haben meinen Herrn weggenommen ,
mit diesen Worten blicke ich mich um,
als ich des Gärtners Schritt vernommen.
Was meinst Du, wen suchst Du Frau ? -
Nahmst du ihn, wo ist er nun ?
Maria ! Und ich erkenne, wie ich in seine Augen schau,
meinen Herrn, der mich von Sünden befreit`,
Sieben mal sieben mal.
Freude nimmt mir alle Bitterkeit.
Von nun an, Tod gibt es keinen
für die, die da Glauben an sein Mal,
allen, die da Leid tragen und weinen.

Den Liebsten suchend

18:48

Leisen Fusses schreitet mein Herz
in der Frühe durch deiner Liebe Gärten.
Und obwohl die Wege rauh,
so erfrischt mich Morgentau.
Und zarte Haut muss nicht verhärten.
Empfangen im Schmerz
erhebt sich meine Seele im Grauen,
sucht rastlos hinter Bäumen
nur das Eine: den Liebsten zu Schauen.
Bebend sehnt sich mein Leib
für ewig zu vereinen
mit ihm, der keinen mehr hat
(weil er den meinetwegen gab)
und geb` ihm meinen.

Mittwoch, 24. Dezember 1997

Adventskranz

18:48

Adventskranz

Buntes Feuerzeug in meiner kalten Hand.
Kleines Licht wirft grosse Schatten an die Wand,
bringt wärmende Helle in mein Herz,
lindert sanft den tiefen Schmerz.

Die zweit Kerze gibt Geborgenheit hinzu.
Echte Geborgenheit hast nur du.
Auch wenn ich g’rad sehr einsam bin,
schenkst du meinem Dasein Sinn.

Weiss ich auch nicht, wohin ich geh’,
fehle ich nicht, solang’ ich dich noch seh’.
Dunkles und helles ist in mich gelegt.
Helles dunkles besiegt, wenn Jesus in der Mitte steht. 

Drei Kerzen leuchten nach des Wartens langer Zeit. 
Drei Kerzen leuchten zum Symbol der Dreieinigkeit; 
Gericht, Gnade, Ewigkeit mit Gott.
Was höre ich noch auf der Geister Spott.

Mit jeder Stunde rücken sie näher ein Schritt.
Ich muss entscheiden: Mit wem geh’ ich mit ?
Vier Kerzen, wie Säulen in einem Haus,
und tausend sind’s, schau’ ich hinaus.

(1997)

Samstag, 1. Februar 1997

Im Strudel der Zeit

18:59

Wie im Strudel der Zeit

 


Like in a whirlpool of time

Wie in einem Strudel
Meine Erinnerungen
Sie eilen, eilen davon
Davon, weit weg
Mit der Zeit.

Like in a whirlpool
My memories
They're rushing, hurrying away
Away, far away
With time.
War das gestern
Oder heute
Ist heute gestern
Und gestern morgen
Wo ist Mutter
Bei ihr bin ich geborgen

Was that yesterday
Or today
Is today yesterday
And yesterday tomorrow
Where is mother
With her I am safe
Sie sagen: Zeit
Zum schlafen gehen
Doch die Sonne
Scheint noch – Zeit
Es ist immer Zeit
Für etwas, sagen sie

They say: Time
To go to sleep
But the sun
Does still shine - Time
There is always time
For something, they say
Doch mir ist die Zeit
Abhanden gekommen
Unbegreifbar, unfassbar
Ich bin
Fassungslos

But I've lost
The time
Incomprehensible, unbelievable
I am
Stunned and tossed
Die Zeit ist davon
Mit meinen Erinnerungen
Die Zeit ist
Im Strudel der Zeit
Verschwunden

Time is gone
With my memories
Time is gone
In the whirlpool
Of time
Werde ich mich
Einmal nicht mehr erinnern
An mich
Wer ich war
Wer ich bin
Wer ich sein will

One day, myself
Won't I remember me
Who I was
Who I am
Who I want to be
Werde auch ich
Davongestrudelt
Im strudel der Zeit
Mit der Zeit
Und meinen Erinnerungen

(Für eine Patientin mit Demenz, Feb. 1997)
I too will be
Spun away
In the whirlpool of time
With time
And my memory

(For a dementia patient, Feb. 1997)

Ist nicht Gott auch in der Schechina?

18:59

Ist nicht Gott auch in der Schechina?

Zu gross ist der Name, um ausgesprochen zu werden.

Doch von der Perspektive des Unendlichen,

ist oben und unten das selbe.

Gegenwart und Ewigkeit, die Krone und die Welt.

Begegnung mit dem Alter

18:58

Sie schaut mich an
mit Augen so tief wie ein See,
Erinnerungen lebenslang.
Ihr Blick tut meiner Seele weh.

Ich fürchte mich vor ihr.
War sie wirklich einst wie ich ?
Sie war wütend mit mir,
Nun seh` ich in ihrem Herzen wieder Licht.

Ein glückliches Lächeln legt
ihr welkes Gesicht in Falten.
Blind wer nicht die Ahnung hegt,
dass besondere Schönheit liegt im Alten.

Kalt Ohnmacht mich umschliesst
über Dinge, die ihr nicht gelungen.
Ihre Erinnerungen –
ausgetrockneter Fluss, der wieder fliesst.
Lieder ertönen, die längst verklungen.

Was war muss gut gewesen sein,
damit der Friede zu ihr kehrt.
wer wäscht die Erinnerungen rein ?
wer bestimm eines Lebens Wert ?

Die bange Frage wird laut,
werd` ich wie sie ?
Seit ich sie angeschaut,
weiss ich, es gibt nicht dieses wie .

Ich suche die Antwort
auf eine Frage, die ich nicht weiss.
Stehen wir nicht am selben Ort,
drehen wir alle nur im Kreis ?

Schliesst sich das Leben hier ?
Was verwirrt mich so,
wonach suchen wir,
und weshalb macht sie mich so froh

und doch traurig zugleich ?
Sie berührt meine Hand.
Was macht sie an Würde so reich ?
Alles weg, was zwischen uns stand.

In Dehli war ich da ,
sagt sie in aller Bescheidenheit.
Ich nicke : Ja .
Und mache Herz und Auge weit.

Rätselnd bleibe ich zurück.
Dankbar, dass sie mir vertraut.
Ich gehe im Regen ein Stück,
und alles verschwimmt, was ich vorher geglaubt.

Lebensduft

18:57
Zarte Blume im Frühjahrswind,
die Gedanken voller Düfte sind.
Sie tragen uns fort, weit
ausserhalb von Raum und Zeit.

Und so wird aus der Blume ein Baum,
und ein Lebenswerk aus dem Kindheitstraum.
Wir vergessen all unsre Fragen,
in diesen leichten Sommertagen.

Der Frühjahrsduft gibt uns Kraft,
zu tragen des Herbstes reife Last,
Früchte hervorbringen,
und mit dem Föhnsturm ringen.

Bevor wir all unsre Blätter lassen,
und uns für die letzte Reise fassen,
so wie der Baum, fass’ deine Wurzel in Gott,
um dann zu leben im Dufte hinfort.

Liebend fass’ ich deine Hand,
gemeinsam durch die Wüste ins Gelobte Land.
Du meine kostbarste Blume bist.
Wie hart auch immer das Leben ist,

da weht immer ein süsser Duft,
verwandelt alles in Freude, Glück und Lust.

Die Wildgänse kehren zurück

18:57
Der Lotus blüht,
der Duft der Orchidee
umhüllt mich ganz,
mein Herz erglüht
und lächelt sanft,
so ich dich wiederseh’.

Die Sonn’ erhellt
lang den warmen Tag,
lichtertränkt und blütenvoll.
Der Fisch unruhig schnellt,
tanzt lebenstoll.
Ob das am Frühling lag'?

Die Wildgänse kehren zurück,
alle Jahre neu.
Ich weiss es ganz genau.
Erinnere an längst vergang’nes Glück.
Du machtest aus dem Mädchen eine Frau.
Ich war scheu.

Grosser Bruder Wolf,
mir begegnet in Schafes Kleid'.
Gab dir mein Herz,
voll Freud und Leid.
Da war kein Schmerz.
Sehne zurück die Zeit.